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Endlich Schutz an der „Blauen Route“: Warum die Wildzäune an der B20 im Landkreis Straubing-Bogen längst überfällig waren

04. November 2026 Hoagascht Redaktion
Endlich Schutz an der „Blauen Route“: Warum die Wildzäune an der B20 im Landkreis Straubing-Bogen längst überfällig waren

Wer im Landkreis Straubing-Bogen regelmäßig die Bundesstraße 20 nutzt, kennt das mulmige Gefühl in den Morgen- und Abendstunden nur zu gut: Man fährt mit Tempo 100 auf der vielbefahrenen Trasse, links und rechts rückt dichter Wald oder buschiges Gelände heran, und der Blick wandert unwillkürlich immer wieder nervös an die Böschungskanten.

Dass der Bau und die konsequente Nachrüstung von Wildschutzzäunen entlang neuralgischer Abschnitte der B20 vorangetrieben wurden, war in den Augen von Autofahrern, Rettungskräften und der regionalen Jägerschaft keine bloße Routinebaumaßnahme – es war ein seit Jahren überfälliger Schritt zur Entschärfung einer Dauergefahr.

Der Blick in die Statistik: Jeder zweite Unfall im Landkreis betrifft Wild
Die Notwendigkeit baulicher Barrieren lässt sich anhand der offiziellen Zahlen der Unfallkommission und des Verkehrssicherheitskreises im Landratsamt Straubing-Bogen schwarz auf weiß belegen:

Dauerbrenner Wildkollision: Jahr für Jahr registrieren die Inspektionen im Landkreis zwischen 1.700 und über 1.800 Wildunfälle (2023 waren es 1.806 Fälle, 2024 immer noch 1.710).

Erschreckender Anteil: Damit machen Zusammenstöße mit Tieren rund die Hälfte aller polizeilich erfassten Verkehrsunfälle im gesamten Landkreisgebiet aus.

Hauptbetroffene: Allein in über 1.400 Fällen handelte es sich um Rehwild, gefolgt von Schwarzwild und kleineren Wildtieren.

Auf kaum einer Straße im Landkreis birgt dieser Wildwechsel jedoch ein so hohes Eskalationspotenzial wie auf der B20.

Die B20 als Nadelöhr zwischen Gäuboden und Vorwald
Die B20 ist die zentrale Schlagader des ostbayerischen Raumes – eine stark frequentierte Fernverkehrsachse mit hohem Lkw- und Pendleraufkommen, die Tschechien, die Landkreise Cham und Straubing-Bogen sowie die Autobahnen A 3 und A 92 miteinander verknüpft.

Besonders brisant ist der Abschnitt im nördlichen Landkreisgebiet: Sobald die B20 die weiten Ebenen des Gäubodens hinter Parkstetten und Steinach verlässt und sich über Ascha, Mitterfels und Rattiszell in Richtung Vorwald schlängelt, schneidet die Trasse direkt durch traditionelle Wildwechsel und strukturreiche Wald-Feld-Übergänge.

In diesem Bereich treffen gegensätzliche Welten aufeinander:

Autobahnähnliche Geschwindigkeiten: Autofahrer sind zügig unterwegs, Überholspuren (2+1-Führung) verleiten zu hohem Tempo.

Sekundengefahr: Tritt in der Dämmerung plötzlich ein Stück Reh- oder Schwarzwild aus dem dichten Unterholz auf den Asphalt, bleibt bei 100 km/h oft keine Reaktionszeit mehr.

Schwere Folgeunfälle: Kollisionen enden auf der B20 selten glimpflich. Neben dem Tierleid führt das reflexartige Ausweichen immer wieder zu riskanten Schleuderunfällen, Kollisionen mit der Leitplanke oder gar verheerenden Zusammenstößen mit dem Gegenverkehr.

Warum passive Maßnahmen längst nicht mehr ausreichten
Über viele Jahre versuchte man, das Problem mit punktuellen Mitteln in den Griff zu bekommen: Warnschilder, Geschwindigkeitsbegrenzungen an Kuppen oder blaue Wildwarnreflektoren an den Leitpfosten. Zwar halfen diese punktuell, doch bei der immensen Verkehrsdichte der B20 verpuffte der Gewöhnungseffekt schnell.

Für die örtlichen Jäger der BJV-Kreisgruppe Straubing Stadt und Land sowie die umliegenden Feuerwehren gehörten nächtliche Einsätze und qualvolle Nachsuchen zum traurigen Alltag. Aus den Gemeinderäten der Anrainergemeinden – von Steinach über Ascha bis Mitterfels – wurde daher immer wieder gefordert, dass das Staatliche Bauamt Passau baulich nachbessern muss.

Zäune schützen Menschen – aber der Zaunbau braucht Konzept
Die Errichtung und abschnittsweise Erneuerung robuster, bodenbündiger Wildschutzzäune (wie sie etwa zwischen Parkstetten und Steinach sowie im Raum Mitterfels/Mühlau zum Einsatz kommen) setzt genau an der Wurzel an: Sie trennt den schnellen Verkehrsraum physisch vom Lebensraum des Wildes.

Damit ein Wildzaun jedoch nicht zur tödlichen Falle für Tiere wird, die versehentlich doch auf die Fahrbahn gelangen, kommt es auf die technischen Details an:

Einsprung- und Aussprungtore: Entlang der Zauntrassen müssen sogenannte "Kastensprünge" oder einseitig öffnende Klappen installiert sein, damit verirrtes Wild von der Straße flüchten kann, ohne wieder hineingelangen zu können.

Durchlässe und Querungsmöglichkeiten: Ein Zaun zerschneidet Wanderkorridore. Umso wichtiger sind bestehende Talbrücken und Brückenunterführungen (wie im Bereich Falkenfelser Straße / Mühlau), die vom Wild als sichere Unterquerung angenommen werden.

Ein spürbarer Sicherheitsgewinn für die Region
Dass der Freistaat und die zuständigen Straßenbauämter Geld in die Hand genommen haben, um die Zäune an der B20 zu schließen und zu modernisieren, war kein Luxusprojekt, sondern eine überfällige Investition in die Verkehrssicherheit. Es rettet nicht nur unzähligen Wildtieren einen qualvollen Tod auf dem Straßenbelag, sondern schützt tagtäglich die tausenden Pendler im Landkreis Straubing-Bogen vor einem der unberechenbarsten Risiken im Straßenverkehr.

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